Willkommen auf meinem Blog. Etwa einmal im Monat teile ich hier meine Gedanken rund um die Buchwelt.
17.04.2026 Wie sich der Buchmarkt aktuell verändert: Veröffentlichen jetzt alle im Selfpublishing?
24.03.2026 Zwischen den Zeilen, oder: Late to the party? Revival? Nostalgie?
17.04.2026
Wie sich der Buchmarkt aktuell verändert: Veröffentlichen jetzt alle im Selfpublishing?
Na, habe ich dich mit dieser herrlich-schönen Clickbait-Überschrift? Wo man auch hinhört, die Frage „Selfpublishing oder Verlag?“ scheint aktueller denn je. Kleinverlage schließen reihenweise, Erfolgsgeschichten wie die von Marah Woolf und Anya Omah zeigen, dass auch Selfpublisher*innen große Erfolge erzielen können und andere bekannte Autor*innen veröffentlichen aus unterschiedlichen Gründen gleichzeitig im Verlag und im Selbstverlag (also „hybrid“).
Ich möchte dich heute einladen, mit mir den Buchmarkt 2026 unter die Lupe zu nehmen. Dafür werfen wir gemeinsam einen Blick (nicht ein Auge *hüstel* Lektor*innenwitz) auf die Zahlen, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2025 veröffentlicht hat, sowie auf Erhebungen des Selfpublisher-Verbands, der Künstler-Sozialkasse und des Schriftstellerverbands und beziehen auch aktuelle Trends, Skandale und Stimmungen der mehr oder weniger sozialen Netzwerke mit ein.
Um zu entscheiden, welcher Veröffentlichungsweg zu deinem Genre und deiner Zielgruppe passt, finde ich das unheimlich wichtig.
Starten wir statistisch: Der deutsche Buchmarkt gehört mit einem Gesamtumsatz von rund 9,88 Milliarden Euro im Jahr 2024 zu den größten weltweit. Trotz einer insgesamt wirtschaftlich schwierigen Lage konnte die Branche zuletzt leicht wachsen (+1,8 % Umsatzwachstum 2024 ), der stationäre Handel (gemeint sind die Buchläden) verzeichnete 2025 allerdings einen Rückgang um 3% im Vergleich zum Vorjahr. Die Preise für die Endverbraucher stiegen 2025 um 1%.
Im Jahr 2024 sind rund 58.000 Titel neu erschienen (aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor). Eine, wie ich finde, gewaltige Menge Buchstaben in Buchform. Wenn man davon ausgeht, dass ein Buch im Schnitt 2,5 cm dick ist … würde man alle Neuerscheinungen übereinanderstapeln, hätte man einen etwa 1,5 Kilometer hohen Turm. (Korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege, Mathe war nie mein starkes Fach!) Nur mal zum Vergleich: Der Burj Khalifa ist „nur“ 828 Meter hoch. Aber ich setze noch eins oder sogar eine ganze Reihe Bücher obendrauf. Die Zahl des Börsenvereins bildet nicht den gesamten Buchmarkt ab, denn sie basiert vor allem auf Daten aus der Deutschen Nationalbibliografie und dem Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB), also auf Systemen, die traditionell stark auf Verlage und den Buchhandel ausgerichtet sind. Selfpublishing-Titel sind darin nur teilweise enthalten. Insbesondere E-Books, Print-on-Demand-Titel und Veröffentlichungen über Plattformen wie Amazon KDP oder Tolino Media werden laut Börsenverein „nur in geringem Umfang erfasst“. Die tatsächliche Zahl veröffentlichter Bücher liegt demnach vermutlich deutlich höher.
Was schließen wir daraus? Dein Buch muss man in dem Haufen (oder Turm) erstmal finden. Sichtbarkeit ist ein ganz schwieriges Unterfangen, egal ob im Verlag oder im Selfpublishing.
Selfpublishing ist weltweit und auch in Deutschland stark gewachsen und ich mache mich jetzt vielleicht ein wenig unbeliebt, wenn ich dir die ernüchternden Zahlen dazu liefere: 67 % der Selfpublisher*innen verdienen unter 50 € pro Monat und nur ca. 4 % erreichen ein existenzsicherndes Einkommen. Für Verlagsautor*innen fehlt mir eine vergleichbare Erhebung, aber die Zahlen der Künstlersozialkasse und des Verbands deutscher Schriftsteller geben beispielsweise an, dass 2% bis 5,7% der Autor*innen (Verlag und SP) vom Schreiben leben können.
Wichtig sind außerdem folgende Überlegungen: Pro verkauftem Verlagsbuch verdienen Verlagsautor*innen 0,70 € bis 1,20€. Bei Selfpublisher*innen liegt die Spanne zwischen 1€ und 10€, obgleich die Auslagen für Lektorat, Korrektorat, Cover, Buchsatz erstmal wieder eingenommen werden müssen. (Darüber könnte ich einen ganzen Blogartikel schreiben…)
Sei ehrlich: Als du beschlossen hast, ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen, hast du dir wahrscheinlich vorgestellt, es in einem bekannten Verlag unterzubringen, oder? So geht es nicht allen, aber den meisten Autor*innen. Den Traum, das gute Stück Papier in einer Buchhandlung wiederzufinden, kann ich verdammt gut verstehen. Ist das Schlendern durch einen hübsch eingerichteten Laden nicht auch ein Stück deutscher Lesekultur? In Deutschland werden noch immer gut 40% der Bücher in einer Buchhandlung verkauft, in anderen Ländern wie den USA ist der Buchmarkt viel stärker in den Online-Handel abgewandert.
Ein weiterer Vorteil einer Verlagsveröffentlichung ist, dass du nichts für die Veröffentlichung bezahlen musst. (Ich betone es noch einmal: Bei einem seriösen Verlag bezahlst du NICHTS!!! Wenn ein Verlag Geld von dir verlangt: Finger weg!)
Aber war dir auch von Anfang an klar, wie anstrengend der Weg in einen Verlag ist? Eine Bewerbungsphase bei Agenturen und (Publikums-) Verlagen ist mitunter eine langwierige Angelegenheit. Nach der erfolgreichen Annahme folgen die obligatorischen Schritte wie Lektorat, Überarbeitung, Covergestaltung, Produktion und vor allem die langfristige Programm- und Marketingplanung. Besonders der Buchhandel benötigt mehrere Monate Vorlauf, da Titel frühzeitig angekündigt werden. Insgesamt kannst du mit 2 Jahren (+/-) rechnen. Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Einstiegshürden extrem hoch sind. Ein Manuskript von Debütautor*innen muss nicht nur handwerklich auf hohem Niveau sein, es muss speziell bei Publikumsverlagen ins Mainstream-Programm passen. Ist ja auch logisch, es soll sich möglichst gut verkaufen. Du hast wenig Einflussmöglichkeiten, was beispielsweise die Covergestaltung anbelangt. Außerdem steigt der Druck, mehrere Romane im Jahr zu veröffentlichen, um in der Branche Fuß zu fassen, insbesondere in Genres wie (Dark) Romance, Romantasy und New Adult.
Darüber hinaus existieren auch mittlere und kleinere Verlage, zum Teil sogar ausdrücklich empfehlenswerte, in denen Manuskripte abseits des Mainstreams eine Heimat finden. Allerdings gibt es auch hier viele schwarze Schafe, beispielsweise Verleger, die über keinen kaufmännischen Hintergrund oder kein Konzept verfügen. Was aus Budgetgründen keine Seltenheit ist: Autor*innen, die gegenseitig ihre Manuskripte lektorieren und korrigieren, wahlweise ist eine nicht menschliche Instanz dafür zuständig. Und, wie du vielleicht zuletzt auf Tiktok und Instagram mitbekommen hast, viele Kleinverlage schließen unerwartet und die Autor*innen stehen plötzlich wieder ohne Verlag da.
Aber was sind nun die Vor- und Nachteile des Selfpublishings? Ganz klar: Du machst dein eigenes Ding. Das sind die Vor- und auch die Nachteile. Wenn das Buch fertig ist, eine inhaltlich und optisch marktkonforme Aufbereitung eingeschlossen, veröffentlichst du es. Zu einem Zeitpunkt, den du für richtig erachtest. Die Gestaltung obliegt allein dir. Wenn du selbst illustrierst, kannst du dich nach Lust und Laune austoben. Du kannst dein Cover ohnehin selbst aussuchen und dafür Farben wählen, die zu deiner Marke passen. Zudem besitzt du die volle Kontrolle über Inhalte und Preise. Niemand zieht dich über den Tisch. Ähm, okay, bei Distributoren gibt es auch Abzocker, wie bei allen Dienstleistungen… Du hast jedoch stets eine Übersicht über deine Verkäufe. Alle Rechte liegen ausschließlich bei dir. Die höheren Tantiemen habe ich ja bereits erwähnt.
Die beiden größten Nachteile des Selfpublishings sind meiner Meinung nach das schlechtere Image, auch wenn in den letzten Jahren ein Umdenken in der Branche stattgefunden hat. Für einen Teil der Leserschaft sind SP-Bücher aber immer noch qualitativ minderwertiger. Dass der Markt von selbstverlegten KI-Büchern und Büchern mit KI-Covern überschwemmt wird, bessert dieses Image zum Leidwesen der professionellen Selfpublisher*innen nicht. (An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass es auch zahlreiche Verlagsbücher mit genKI-Covern und -Inhalten gibt.) Problem Nummer zwei erlebe ich oft genug als Lektorin: Viele Autor*innen können die Kosten nicht tragen, möchten aber dennoch ein qualitativ hochwertiges Produkt veröffentlichen, deshalb scheuen sie das Selfpublishing.
Das Genre entscheidet
Im Selfpublishing kannst du erfolgreich werden, wenn du klare Genre-Erwartungen erfüllst, auch wenn du „nischig“ schreibst, sofern du dich mit deinen potentiellen Leser*innen verbindest. Das funktioniert allerdings nur, wenn deine Zielgruppe eine aktive Community auf Social Media hat.
Absolut unangefochten auf Platz eins der Genres, die auch im Selfpublishing gut funktionieren, stehen Liebesromane bzw. Romance. (Dazu zählen alle Subgenres wie New Adult, Dark Romance, Romantasy,…) Regionalkrimis und Psychothriller führen die Selfpublishing-Dauerbrenner-Listen im Bereich der Spannungsromane an. Fantasy mit allen Subgenres verzeichnet aktuell im Selfpublishing-Bereich das stärkste Wachstum. Und zuletzt, was man vielleicht nicht vermutet hätte: Wenn Autor*innen mit ihrer Expertise überzeugen, etwa aufgrund einer großes Online-Präsenz, können sie mit ihrem Ratgeber oder Sachbuch gute Verkaufszahlen generieren, ebenfalls mit aktuell steigender Tendenz.
Was weniger funktioniert im Selfpublishing sind Kinder- und Jugendbücher, literarische Romane (= die sogenannte „Gegenwartsliteratur“) sowie Sachbücher mit gesellschaftlicher Relevanz.
Hybride Veröffentlichungen
Langsam zeichnet sich auch in Deutschland der Trend ab, dass Autor*innen projektabhängig entscheiden, wie sie ihr Manuskript veröffentlichen. Rund 20 % der Selfpublisher*innen bringen auch Projekte in einem Verlag unter.
Ob du nun eine Verlagsveröffentlichung oder das Selfpublishing anstrebst: Erfolgreich kannst du nur werden, wenn du deine Zielgruppe erreichst. In erster Linie brauchst du dafür ein gutes Produkt, genauso wichtig ist allerdings ein ausgeklügeltes Marketingkonzept. Ja, auch für deine Verlagsveröffentlichung.
Schreib mir gerne, welchen Veröffentlichungsweg du anstrebst.
Herzliche Grüße
Deine Jacqueline
24.03.2026
Zwischen den Zeilen, oder:
Late to the party? Revival? Nostalgie?
Das wird ein Blog. Ich starte so einen richtigen Blog.
Das war doch vor rund 20 Jahren mal angesagt, denkst du?
Ja, aber …
Vielleicht geht es dir wie mir und du hast neben den vielen hervorragenden, informativen Podcasts und Vlogs anderer Buchmenschen hin und wieder das Bedürfnis, Einblicke in den Lektoratsalltag, Gedanken über den Buchmarkt, Tipps, Kniffs und andere Kinkerlitzchen rund ums Thema Buch in schriftlicher Form zu konsumieren.
Oft hätte ich mehr, enorm viel mehr zu erzählen, als in einen Social-Media-Beitrag passt. Ich liebe es, Themen in allen Facetten zu beleuchten und mich dabei nicht an starre Zeichenvorgaben halten zu müssen. Meist brainstorme ich meine Instagram-Beiträge in Word und achte nicht auf den Umfang, nur um anschließend festzustellen, dass ich die Hälfte wieder streichen muss.
Und was mir den Spaß an Instagram und Konsorten seit einiger Zeit gründlich verhagelt, sind die zahlreichen, so offensichtlich KI-generierten Beiträge in der Bookbubble. Ja, in jener Blase, die sich um Bücher drehen sollte und nicht um Prompt-Ausdünstungen. Die gleichförmigen KI-Bildchen sind das eine, das andere die dazugehörigen genKI-Beiträge. Leider sogar von einigen Lektor*innen.
Was ich mir von Herzen für die und von der Buchwelt wünsche, ist mehr Authentizität. Ich möchte mich über Kunst austauschen. Als Lektorin möchte ich echte, menschengemachte Kunst auf dem Veröffentlichungsweg geleiten. „Menschengemachte Kunst“, das ist schon ein Pleonasmus (=die Verbindung zweier Wörter, die dasselbe aussagen), oder? Denn Kunst ist per Definition immer menschengemacht, ist Ausdruck eines Individuums in der Auseinandersetzung mit seiner Umwelt.
(„KI-Kunst“ hingegen würde ich als Oxymoron bezeichnen, also die Verbindung zweier sich widersprechenden Dinge. Wie „wirksame Homöopathie“ oder „herrenloses Damenrad“.)
Ehrlicherweise gibt es noch einen anderen Grund, warum ich in Zukunft auf Blogeinträge setze. Wie sage ich es, ohne undankbar oder arrogant zu wirken? Knapp 400 Follower*innen folgen i-Tüpfelchen auf Instagram. Ich bekomme dort regelmäßig liebe, wertschätzende Nachrichten und habe bereits einige Kund*innen via Instagram gewonnen, mit denen ich ganz wunderbar zusammengearbeitet habe oder aktuell zusammenarbeite. Andere Plattformen, vor allem Threads und Facebook, sind weitaus toxischer. Dennoch gab es auch auf Instagram in letzter Zeit einiges Unschönes. Von seltsamer Kritik über persönliche Angriffe bis hin zu fiesen Vorwürfen war alles dabei – leider stammten die Kommentare und Nachrichten fast ausschließlich von Kolleg*innen. Mir ist bewusst, dass das Lektoratsbusiness inzwischen hart umkämpft ist. Viele absolvieren die drei eintägigen Seminare der ADM, manche können nicht einmal das aufweisen. Von einem literaturwissenschaftlichen Studium oder einem Praktikum in einem Verlag mal ganz abgesehen. Die Berufsbezeichnung Lektor*in ist nicht geschützt! Wusstet ihr das? Nicht bis kaum qualifizierte Lektor*innen drücken zunehmend die Preise und versuchen mit einer Ellenbogenmentalität Kolleg*innen schlechtzumachen.
Ich möchte das einfach nicht mehr.
Zwar werde ich weiter kleinere Beiträge auf Instagram posten, allein für all diejenigen, die mir dazu positive Rückmeldungen geschickt haben. Die ihre Schreibskills verbessern konnten. Aber es wird in Zukunft eher auf Teaser für Blogeinträge hinauslaufen, denn ich habe keine Lust, ständig mit entsprechenden Kommentaren – die ich umgehend lösche! – rechnen zu müssen.
Versteh mich nicht falsch: Ich liebe den Austausch mit Autor*innen und auch mit Kolleg*innen! Oder mit Leser*innen. Oder mit … dir, solltest du dich keiner dieser Kategorien zugehörig fühlen. Schreib mir gerne eine E-Mail, frag nach, wenn ich ein Thema in unverständlichem Fachchinesisch oder zu Wischi-waschi erklärt habe. Und ich bin immer offen für konstruktive Kritik, für Themenwünsche und andere Hinweise. Lass uns diskutieren und Ideen voranbringen, uns gegenseitig unterstützen und schätzen.
Ich habe nur das Gefühl, dass diese Art der Kommunikation nicht auf schnelllebigen Plattformen funktioniert. Dass wir neue (oder alte) Formen des Austauschs wählen müssen, damit tiefgründigere Gedanken und Gespräche entstehen.
Deshalb fühl dich hier willkommen, warum auch immer dich buchige Themen interessieren. Die Beiträge können auch mal länger sein. Dafür teile ich (natürlich anonym!) in aller Ausführlichkeit meine Erfahrungen als Lektorin, damit du davon profitierst. Ich philosophiere über den Buchmarkt, darüber, wie sich das Lesen und Schreiben aktuell und in Zukunft entwickelt. Und es könnte auch mal etwas persönlicher werden. Im guten Sinne.
Lesen wir uns hier öfter? Ich würde mich freuen!
Deine Jacqueline